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In einer Bewertung des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) vom Oktober 2007 findet sich folgende Aussage: „Unter Berücksichtigung der besonderen gesundheitlichen Empfindlichkeit dieser Verbrauchergruppe [Frauen in der postmenopausalen Phase] kommt das BfR zu dem Schluss, dass die Sicherheit von Produkten mit isolierten Isoflavonen auf Soja- und Rotkleebasis, die als Nahrungsergänzungsmittel oder ergänzende bilanzierte Diäten angeboten werden, nicht ausreichend belegt ist. Aus Sicht des BfR sind gesundheitliche Risiken derartiger Nahrungsergänzungsmittel für Frauen in und nach den Wechseljahren bei geringer Wahrscheinlichkeit möglich. […] Da gesundheitliche Risiken derartiger Nahrungsergänzungsmittel und ergänzender bilanzierter Diäten für Frauen in und nach den Wechseljahren bei geringer Wahrscheinlichkeit möglich sind, besteht aus Sicht des BfR Handlungsbedarf, zum Beispiel die verstärkte Aufklärung von Frauen mit Brustkrebs oder einer Veranlagung dafür.“ Das BfR geht dabei bereits von einer Fehlannahme aus: Die Argumentation basiert auf der Vermutung, dass Isoflavone estrogenähnliche Effekte (Förderung der Proliferation) über eine Aktivierung des Estrogenrezeptor alpha (ER-α) auslösen. Die zum Teil korrigierte Fassung vom Oktober 2007 behob zwar diesen bereits in der Einleitung aufgeführten Fehler, das BfR zog aus dieser Korrektur aber nicht die logischen Schlussfolgerungen für den weiteren Verlauf der Argumentation. Die Argumentationskette basiert nach wie vor auf der Vermutung von Effekten am ER-α. Darüber hinaus belegt das BfR das Risiko nicht, sondern spricht nur von einer „geringen Wahrscheinlichkeit“ (in anderen Worten: das BfR konnte für seine Hypothese keine Beweise liefern). Tatsächlich ist die Hypothekse eines den Isoflavonen innewohnenden Krebsrisikos nicht plausibel. Die meisten Suplemente, die Sojazubereitungen enthalten, liefern nicht mehr oder andere Isoflavone als von einem großen Teil der Weltbevölkerung täglich verzehrt werden – und dies offensichtlich ohne Risiko. In den Debatten wird häufig auf einen aktuelle Übersichtsarbeit Bezug genommen, welche die Risikohypothese zu stützenscheint (Wuttke et al. 2007). Der Autor, Prof. Wuttke, ha keine klinische Erfahrung mit Isoflavonen, sondern hat die Isoflavone in reinen ER-α-Modellen wie Zellkulturen mit MCF-7 Brustkrebszellen oder Untersuchungen an ovarektomierten athymischen Nacktmäusen getestet. Mehr Details zu diesen Themen sind den Beiträgen den aus in vitro- und in vivo-Modellen abgeleiteten Risiken zu entnehmen. Auf einem kürzlich abgehaltenen Symposium über die Sicherheit der Isoflavone wurden diese in vitro- und in vivo-Modelle ausführlich diskutiert. Es wurde fesgestellt, dass diese Modelle für die Bewertung eines möglichen Krebsrisikos der Isoflavone von keinerlei Relevanz sind (Messina 2009b; Zhou 2009). Grundsätzlich könnten auch andere Übersichtsarbeiten zur Unterstützung der Risikohypothese herangezogen werden (Duffy et al. 2007). Alle diese Übersichtsarbeiteten haben gemein, dass sie von angeblichen Beweisen eines Krebsrisikos in humanklinischen Studien sprechen. Diese klinischen Befunde lassen sich stets auf die gleichen Arbeiten zurückführen:
Bei genauerer Betrachtung dieser Publikationen wird aber rasch deutlich, dass keine der zitierten Arbeiten den behaupteten Effekt wirklich stützt. Hier handelt es sich keineswegs um eine isolierte Meinung der Isoflavon-Forschungs-Initiative e.V., sondern dies wurde auch in Publikationen der jüngeren Zeit diskutiert (Messina 2008; Messina and Wood 2008). Es wurde auch auf dem Symposium zur Anwendungssicherheit der Isoflavone in Mailand im Mai 2009 ausführlich und einhellig diskutiert (Lundstrom 2009; Messina 2009a; Shu 2009; Tice 2009). Nimmt man alle verfügbaren Expositionsdaten am Menschen zusammen, müssen Isoflavone als sogar bei Langzeitanwendung von üblichen Mengenbereichen, wie sie bei der Ernährung mit Soja üblich sind – also mindestens bis 100-120 mg/Tag – als außergewöhnlich sicher betrachtet werden. Diese Schlussfolgerung wird durch neue Langzeitstudien mit mehrjähriger ununterbrochener Einnahme von Isoflavonen gestützt, darunter auch Untersuchungen an Frauen mit einem hohen Brustkrebsrisiko oder einer eingeschränkten Schilddrüsenfunktion (Marini et al. 2008; Maskarinec et al. 2009; Shu 2009; Squadrito 2009), und ebenso durch eine neue Metaanalyse der in klinischen Studien mit Isoflavonen beobachteten unerwünschten Ereignisse – auch diese Studie wurde auf dem Mailänder Isoflavonsymposium im Mai 2009 vorgestellt (Tempfer 2009). ReferenzenLundstrom, E. (2009). Effects of isoflavones on in vivo breast cell proliferation in normal subjects and breast cancer patients. Symposium on Evaluating the Efficacy and Safety of Isoflavones for Postmenopausal Women, 13-14 May. Milan (Italy): Council for Responsible Nutrition. Messina, M. (2009a). Effects of isoflavones on endometrial tissue and endometrial cancer risk. Symposium on Evaluating the Efficacy and Safety of Isoflavones for Postmenopausal Women, 13-14 May. Milan (Italy): Council for Responsible Nutrition. Messina, M. (2009b). Isoflavones and breast cancer: What is the basis for concern? Symposium on Evaluating the Efficacy and Safety of Isoflavones for Postmenopausal Women, 13-14 May. Milan (Italy): Council for Responsible Nutrition. Shu, X.O. (2009). Soyfood consumption and breast cancer prognosis: Review of the epidemiologic data. Symposium on Evaluating the Efficacy and Safety of Isoflavones for Postmenopausal Women, 13-14 May. Milan (Italy): Council for Responsible Nutrition. Squadrito, F. (2009). Effects of isoflavones on thyroid function. Symposium on Evaluating the Efficacy and Safety of Isoflavones for Postmenopausal Women, 13-14 May. Milan (Italy): Council for Responsible Nutrition. Tempfer, C.B. (2009). Side effects of phytoestrogens - a meta-analysis of randomized trials. Symposium on Evaluating the Efficacy and Safety of Isoflavones for Postmenopausal Women, 13-14 May. Milan (Italy): Council for Responsible Nutrition. Tice, J.A. (2009). Effects of isoflavones on mammographic breast density in pre- and postmenopausal women. Symposium on Evaluating the Efficacy and Safety of Isoflavones for Postmenopausal Women, 13-14 May. Milan (Italy): Council for Responsible Nutrition. Zhou, J.R. (2009). Soy, isoflavones, and mammary cancer: Overview of results from animal studies. Symposium on Evaluating the Efficacy and Safety of Isoflavones for Postmenopausal Women, 13-14 May. Milan (Italy): Council for Responsible Nutrition. |
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